Die letzten Tage waren voller Magie.
Nicht nur wegen der Sonnenfinsternis und Hekates Deipnon, sondern vor allem deshalb, weil gerade wieder vieles zusammenkommt, was für mich Hexenkunst ausmacht: Rituale, Kräuter, Düfte, Handwerk und die Verbindung mit den natürlichen Rhythmen.
Nach der Sonnenfinsternis habe ich zunächst ein Öl der Erneuerung und des Neuanfangs hergestellt. Solche Öle gehören für mich zu den schönsten Formen persönlicher Magie. Ich arbeite dabei nicht einfach nur mit bestimmten Pflanzen und Düften. Während ich das Öl herstelle, verbinde ich mich mit meiner Absicht und lasse auch meine eigene Kraft, meine Wünsche und meine Vorstellung von dem, was entstehen soll, in das Öl einfließen. Und natürlich die Energie besonderer Momente- wie von der besagten Sonnenfinsternis. Danach war ich auf dem Köterberg, dem höchsten Berg hier im Weserbergland, um mit zwei Menschen, die ich sehr liebe, die Sonnenfinsternis zu beobachten
Am nächsten Tag zelebrierte ich Hekates Deipnon.
An einer Wegkreuzung habe ich der Göttin Speiseopfer gebracht und Räucherwerk entzündet. Es war einer dieser magischen Momente, in denen die Grenze zwischen dem Alltäglichen und dem Heiligen für mich besonders durchlässig wird.
In dieser Nacht habe ich nicht nur für mich selbst gearbeitet.
Ich habe Hekate darum gebeten, all jene Menschen zu segnen, die ihr jetzt ebenfalls Opfergaben darbringen. Ich habe sie um Kraft, Führung und Schutz für diese Menschen gebeten – für ihre Wege, ihre Entscheidungen und für das, was vor ihnen liegt.
Während ich dort an der Wegkreuzung stand, den Rauch des Räucherwerks wahrnahm und mich mit der Göttin verband, war die Energie für mich überwältigend.
Manchmal gibt es in der magischen Arbeit Augenblicke, die sich kaum in Worte fassen lassen.
Man weiß einfach, dass man gerade genau am richtigen Ort ist.
Und dann führet der Weg wieder zurück in den magischen Garten und in die Hexenküche.
Meine Lavendelpflanzen hatten noch einmal eine zweite Blüte angesetzt. Also habe ich gestern erneut Lavendel geerntet. Aus den Blüten entstanden Räucherbündel, Lavendelseife und ein Badezusatz.
Ich liebe diese Verbindung zwischen meinem Garten und meiner Hexenkunst.
Eine Pflanze wächst über Wochen und Monate in meinem Garten. Ich beobachte sie, pflege sie und ernte sie schließlich. Danach bekommt sie ein neues Leben: als Räucherwerk, in einer Seife, in einem Öl oder als Bestandteil eines Rituals.
Für mich ist das ganz besondere Magie.
Heute war Freitag, der Tag der Venus. Gleichzeitig steht der Mond wieder frisch am Himmel und nimmt langsam zu. Und so entstand heute eine Rosenseife.
Ich habe dafür Rosenthymian, Rosenblüten und Rosengeranie verwendet und die Seife mit Palmarosa und Rosengeranie beduftet. Aus den gleichen Pflanzen und Düften habe ich außerdem einen Badezusatz und einen neuen Ölauszug angesetzt.
In meiner Hexenküche war in den vergangenen Tagen also ziemlich fleißig.
Doch jetzt ist alles ruhig.
Ich sitze unter den Sternen in meinem verwunschenen Garten. Die Nacht ist klar, die Luft noch mild und überall um mich herum wuchern überall Pflanzen, mit einigen von ihnen, habe ich in den vergangenen Tagen gearbeitet.
Nach dem Räuchern, Ernten, Rühren, Sieden und Segnen gibt es jetzt nichts mehr zu tun.
Jetzt darf ich einfach nur hier sitzen.
Und genau darin liegt für mich ein Teil der Magie.
Hexenkunst findet nicht nur in großen Ritualen statt. Sie steckt auch in den kleinen Dingen: im Duft eines frisch geernteten Lavendelzweiges, im Rauch eines Räucherbündels, im Rühren einer Seife, im Ansetzen eines Öls oder in einem stillen Moment unter dem Sternenhimmel.
Vielleicht ist das sogar eine der schönsten Seiten der Hexenkunst.
Dass der Zauber nicht endet, wenn die Kerze erlischt, sondern das Magie den ganzen Alltag durchzieht.
Und dass die Verbindung zur Magie manchmal einfach darin besteht, aufmerksam wahrzunehmen, was gerade um mich herum geschieht.
Noch sind die Nächte warm und der Sommer liegt in der Luft.
Aber ich merke schon, dass sich etwas verändert. Bald werden die ersten kühleren Nächte kommen. Der Garten wird sich langsam verändern und der Herbst wird näher rücken.
Bis dahin werde ich diese milden Sommernächte genießen.
Hier, zwischen meinen Pflanzen, unter dem Sternenhimmel und mitten in meiner kleinen verwunschenen Welt.
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