Drachenblut ist eines dieser magischen Ingredienzen, um die sich seit Jahrhunderten Geschichten, Mythen und ganz unterschiedliche Vorstellungen ranken.
Ich selbst habe viele Jahre gebraucht, um meine eigene Beziehung zu diesem besonderen Harz zu finden.
Immer wieder wurde mir Drachenblut von anderen Hexen und magieinteressierten Menschen empfohlen. Es sollte eine besonders starke Schutzwirkung besitzen, die eigene Kraft stärken und die Wirkung anderer magischer Arbeiten unterstützen.
Doch lange konnte ich damit nicht viel anfangen.
Das Drachenblut, das ich damals bekam, hatte für mich einen unangenehmen, teilweise stechenden und fast gummiartigen Geruch. Auch magisch konnte ich keine besondere Verbindung dazu aufbauen.
Das änderte sich, als ich irgendwann echtes Drachenblutharz aus einer Dracaena-Art in die Hände bekam.
Plötzlich war da etwas ganz anderes.
Der Duft war warm, harzig und balsamisch, viel feiner als bei den Sorten, die ich zuvor kennengelernt hatte. Und auch in meiner magischen Arbeit fühlte sich dieses Harz vollkommen anders an.
Seitdem verwende ich für meine eigenen Drachenblutöle nur noch Harze aus Dracaena-Arten.
Nicht jedes Drachenblut ist dasselbe
Der Name Drachenblut bezeichnet nämlich nicht nur ein einziges Harz.
Unter diesem Namen werden verschiedene pflanzliche Produkte gehandelt, die botanisch teilweise überhaupt nicht miteinander verwandt sind.
Eine häufig angebotene Variante stammt beispielsweise von Daemonorops draco, einer südostasiatischen Rattanpalme. Das Harz wird aus den Früchten gewonnen und ist im Handel sehr verbreitet. Es besitzt einen würzigen, teilweise leicht beerenartigen Charakter, kann beim Erwärmen oder Räuchern aber auch einen eher stechenden oder gummiartigen Geruch entwickeln.
Eine andere Pflanze ist Croton lechleri, das sogenannte Sangre de Drago aus Südamerika. Dabei handelt es sich nicht um ein klassisches Harz, sondern um den roten Pflanzensaft des Baumes, der insbesondere in den traditionellen Pflanzenkulturen des Amazonas eine lange Geschichte besitzt.
Und dann gibt es die Drachenbäume der Gattung Dracaena.
Zu ihnen gehören beispielsweise Dracaena cinnabari, der Drachenbaum von Sokotra, und Dracaena draco, der Kanarische Drachenbaum. Ihr tiefrotes Harz ist das Drachenblut, das mich persönlich am meisten fasziniert.
Es ist selten und kostbar und besitzt einen warmen, balsamischen und für mich ausgesprochen angenehmen Duft.
Besonders schön finde ich auch, was geschieht, wenn man das Harz im Mörser zerkleinert. Die tiefroten Stücke können sich durch die Lichtbrechung der feinen Harzpartikel plötzlich rosa und beinahe leuchtend zeigen.
Schon die Verarbeitung selbst hat für mich etwas Magisches.
Mein Drachenblutöl
Drachenblut ist für mich vor allem ein Harz der Kraft, des Schutzes und der Abgrenzung.
Ich nutze es, wenn ich meine eigenen Grenzen stärken möchte, wenn ich mich gegen belastende Einflüsse abgrenzen will oder wenn ich das Gefühl habe, meine innere Kraft wieder bewusster sammeln zu müssen.
Auch in magischen Mischungen kann Drachenblut eingesetzt werden, um andere Arbeiten zu verstärken.
Deshalb stelle ich mir immer wieder gerne mein eigenes Drachenblutöl her.
Dafür pulverisiere ich etwas von dem Harz und gebe ungefähr 2 bis 3 Teelöffel auf 150 bis 200 ml Pflanzenöl.
Das Öl erwärme ich anschließend vorsichtig im Wasserbad. Ich lasse es mehrere Stunden bei ungefähr 60 °C ziehen und rühre oder schüttle es zwischendurch immer wieder.
Dabei löst sich ein Teil des Harzes langsam im Öl und gibt ihm seine charakteristische Farbe, seine Pflanzenstoffe und seinen Duft.
Während der Herstellung arbeite ich mit meiner eigenen Intention und meiner Energie. Ich verbinde das Öl mit dem, wofür ich es später verwenden möchte: Schutz, Abgrenzung und die Stärkung meiner eigenen Kraft.
Drachenblut und Hekate
Für mich gehört dieses Öl ganz besonders in die Arbeit mit Hekate.
Wenn ich ein Drachenblutöl für meine magische Praxis herstelle, verbinde ich die Herstellung mit einem Ritual für die Göttin. Ich bringe Hekate Opfergaben dar, entzünde Räucherwerk und nehme mir Zeit, mich bewusst mit ihr zu verbinden.
Ich bitte sie, dieses Werk mit ihrer Kraft zu begleiten und das entstandene Öl zu segnen.
Dabei wende ich mich besonders an verschiedene Aspekte der Göttin.
Hekate Brimo, die Furchterregende, steht für mich für unerschütterliche Kraft und Stärke.
Hekate Propylaia, die vor dem Tor Stehende, verbinde ich mit den Grenzen und Schwellen. Mit ihr arbeite ich, wenn es darum geht, mein eigenes Feld zu schützen und bewusst zu entscheiden, was in mein Leben eintreten darf – und was nicht.
Und Hekate Apotropaia, die Übelabwehrende, steht für mich für die Abwehr schädlicher Einflüsse.
Durch das Ritual und die Opfergaben bitte ich Hekate, ihre Kraft mit diesem Öl zu verbinden. So wird die Herstellung selbst zu einem Teil meiner Verehrung der Göttin und das fertige Öl zu einem Werkzeug meiner magischen Praxis.
Ein Öl für Zeiten der Abgrenzung
Gerade in Zeiten, in denen wir uns von Menschen, Situationen oder Energien abgrenzen müssen, empfinde ich Drachenblut als besonders kraftvoll.
Dabei geht es für mich nicht darum, ständig in einer Haltung von Angst oder Abwehr zu leben.
Schutz bedeutet für mich vielmehr, die eigenen Grenzen zu kennen.
Zu wissen, was zu mir gehört.
Zu wissen, was ich in mein Leben hineinlassen möchte.
Und ebenso zu wissen, was dort keinen Platz mehr haben soll.
Drachenblut erinnert mich dabei an etwas sehr Einfaches:
Meine Kraft gehört mir.
Ich muss nicht jede Energie aufnehmen, die mir begegnet. Ich muss nicht jede Auseinandersetzung führen. Und ich muss nicht alles in mein eigenes Inneres lassen.
Manchmal besteht Magie einfach darin, eine Grenze zu ziehen.
Und manchmal braucht es dafür ein wenig Drachenblut.






