Vor vielen Jahren, als ich Practical Magic das erste Mal gesehen habe, hat mich dieser Film wirklich begeistert. In den 90er Jahren war Practical Magic für mich einer der ersten Filme, die Hexen auf eine durch und durch positive Weise dargestellt haben. Hexen waren hier nicht böse, keine finsteren Gestalten und auch nicht einfach irgendwelche übernatürlichen Wesen.
Magie und Hexerei waren vielmehr ganz selbstverständlich in die alltägliche Welt eingewoben. Kräuter, Pflanzen, kleine Rituale, Gefühle, Zufälle und Synchronizitäten gehörten einfach zum Leben dazu. Und genau das hat in mir eine tiefe Resonanz ausgelöst.
Interessant ist übrigens, dass es damals zwei Filme gab, bei denen wirkliche Hexen als Berater am Set beteiligt waren: The Craft und Practical Magic. Das spürt man meiner Meinung nach auch in beiden Filmen. Während The Craft stärker von Wicca beeinflusste Elemente aufgreift, verkörpert Practical Magic für mich deutlich mehr die Atmosphäre traditioneller und volksmagischer Hexerei.
Eine Hexerei, die im Alltag lebt
Gerade die Magie des ersten Practical Magic-Films hat mich immer fasziniert, weil sie so erdverbunden war.
Sie lebte von Kräutern, von Pflanzen, von schönen Momenten, von Emotionen, von Synchronizitäten und von kleinen magischen Ereignissen im Alltag. Die Magie brauchte nicht ständig große Special Effects.
Viele Dinge, die wir uns in der wirklichen Magie vielleicht vorstellen oder symbolisch wahrnehmen, wurden im Film einfach durch kleine visuelle Effekte sichtbar gemacht.
Ein Besen, der plötzlich umfällt, konnte beispielsweise einen bevorstehenden Besuch ankündigen. Kräuter, die im Gewächshaus angebaut wurden, konnten für einen Liebeszauber verwendet werden. Es gab zahlreiche Elemente der Volksmagie, die ganz selbstverständlich in das Leben der Figuren eingebunden waren.
Genau diese Verbindung hat mich damals tief berührt.
Der Film hatte etwas Künstlerisches und Wunderschönes. Er vermittelte eine ganz besondere Atmosphäre und eine Schwingung, die mich wirklich verzaubert hat.
Und gleichzeitig weckte er in mir eine Sehnsucht.
Ich wollte später einmal so leben.
Ein Leben voller Magie. Ein Leben, das sich anders anfühlt als das, was viele Menschen ganz selbstverständlich leben. Ein Leben, in dem Magie nicht nur etwas ist, das man zu bestimmten Zeiten praktiziert, sondern etwas, das den Alltag durchzieht.
Practical Magic ist deshalb bis heute einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Ich schaue ihn mir eigentlich jedes Jahr gerne wieder an.
Practical Magic 2 (eine magische Review)
Der Film basiert übrigens auf einer Buchreihe von vier Büchern von Alice Hoffman. In diesem Jahr ist nun auch der zweite Film erschienen: Practical Magic 2, der ebenfalls auf Alice Hoffmans The Book of Magic basiert.
Heute war ich in der Vorpremiere.
Und natürlich habe ich den neuen Film mit ganz anderen Augen gesehen als damals den ersten.
Die Magie in Practical Magic 2 ist deutlich lauter und spektakulärer. Es gibt wesentlich mehr Special Effects und die Darstellung erinnert stellenweise eher an Charmed oder Harry Potter.
Trotzdem bewahrt der Film immer wieder diesen besonderen Touch des ersten Teils. Nur wird die Magie jetzt eben mit den visuellen Möglichkeiten und der Bildsprache unserer Zeit dargestellt.
Für mich war der Film deshalb nicht ganz so zauberhaft wie der erste Teil – aber trotzdem war es ein magisches Erlebnis, ihn zu sehen.
Ein bisschen gefehlt hat mir allerdings die Verbindung zur Volksmagie und zu jener erdverbundenen Hexerei, die den ersten Film für mich so besonders gemacht hat.
Sie war durchaus vorhanden, gerade auch in der symbolischen Darstellung des linkshändigen Pfades. Es gab immer wieder solche Elemente. Aber sie spielten für mich nur eine untergeordnete Rolle in der eigentlichen Magie, die die Hexen wirkten.
Stattdessen erinnerte vieles stärker an eine Magie à la Harry Potter: spektakulärer, visueller und stärker auf den Effekt ausgerichtet.
Das war für mich ein kleines Manko.
Aber trotzdem hat mich der Film dann doch verzaubert.
Das Leben, das ich mir damals gewünscht habe
Und dann kam für mich nach dem Kinobesuch der eigentlich magische Moment.
Ich hatte den Film in einer kleinen Stadt gesehen. Am Himmel waren kaum Sterne zu erkennen.
Als ich anschließend wieder nach Hause fuhr, in mein kleines Dorf, und schließlich vor dem alten Haus stand, in dem ich lebe und das etwa 1860 erbaut wurde, sah ich über meinem Zuhause einen wunderschönen Sternenhimmel.
Und plötzlich musste ich an den ersten Practical Magic-Film denken.
Ich lebe zwar nicht in einem viktorianischen Haus wie die Schwestern im Film.
Aber ich lebe in einem alten Haus, umgeben von einem großen, teilweise verwilderten Naturgarten. Überall wachsen Zauberkräuter, Heil- und Duftpflanzen, die ich für meine magische Praxis verwende.
Ich habe keinen Wintergarten wie im Film, dafür aber ein wunderschönes Gewächshaus, in dem ich meine Pflanzen anbaue.
Ich stelle Kräuteröle her, Seifen, arbeite mit Pflanzen, Räucherwerk, Kerzen und Ritualen. Menschen kommen zu mir für Rituale, um magische Hilfe zu bekommen, für spirituelle Hypnose, ich mache die Welt ein kleines bisschen magischer und heiler. Ich lebe Magie nicht nur zu besonderen Anlässen, sondern sie ist ganz selbstverständlich ein Teil meines Lebens geworden.
Magie durchzieht meinen ganzen Alltag und mein ganzes Leben.
Und während ich heute Nacht nach Hause kam, wurde mir etwas sehr deutlich bewusst:
Ich lebe inzwischen vieles von dem Leben, von dem ich damals geträumt habe.
Die Sehnsucht, die dieser Film vor vielen Jahren in mir ausgelöst hat, ist zu einem Teil meines tatsächlichen Lebens geworden.
Ich habe mir damals ein Leben voller Magie gewünscht.
Ein Leben, das freier und unkonventioneller ist.
Ein Leben, in dem ein Kräutergarten nicht einfach nur ein Garten ist, sondern Teil einer magischen Praxis. In dem Pflanzen nicht nur schön aussehen, sondern für Rituale, Öle, Räucherungen und Zauber verwendet werden. In dem das Magische nicht von der alltäglichen Welt getrennt werden muss.
Und genau so lebe ich heute.
Das ist für mich die schönste Erkenntnis, die mir die Fortsetzung von Practical Magic nach all den Jahren schenken konnte.
Eine Geschichte kann eine Sehnsucht in uns wecken, lange bevor wir wissen, wie unser eigenes Leben einmal aussehen wird.
Und manchmal stellen wir viele Jahre später fest, dass wir längst begonnen haben, diese Sehnsucht selbst zu leben.
Dafür brauche ich kein viktorianisches Herrenhaus und keinen riesigen Wintergarten.
Ein altes Haus von 1860, ein verwilderter Kräutergarten, ein Gewächshaus, Pflanzen, die ich mit meinen eigenen Händen anbaue – und die Freiheit, mein Leben auf meine eigene Weise zu gestalten, reichen vollkommen aus.
Als ich gestern Nacht unter diesem Sternenhimmel stand, musste ich jedenfalls lächeln.
Denn plötzlich war mir bewusst:
Ich bin meiner eigenen Practical Magic Vision schon ziemlich nahe gekommen.
Hinweis: Das erste Bild ist mithilfe von KI erstellt, das zweite Bild ist mein magisches Gewächshaus


